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WIRTZ

Ehrlich währt am längsten

Ein kleiner Klick für die Menschheit, ein großer Klick für den Künstler: Damals, als MySpace noch was bedeutete, ploppten zwei Songs als Lebenszeichen im Netz auf, die das neue Leben des Musikers WIRTZ einläuten sollten. Etwas verschämt noch und ohne großes Tamtam sollten sich die beiden Stücke ihren Weg bahnen und sich festsetzen, da draußen. Es sollte alles anders sein, als im großen, bunten, Hype umrauschten „Früher“. Die Musik sollte das Wort führen, nicht das Marketing und deshalb sollten die Leute selbst kommen. WIRTZ hatte sich im Sommer 2007 gehäutet, neu erfunden und fernab der Öffentlichkeit an seinem neuen Ich gebastelt, das eigentlich schon immer da war.

„Früher“, das war Sub7even. In seinem ersten musikalischen Leben war Daniel Wirtz noch der „Weatherman“, der Sonne und Regen machte und seine Band hoch in die Charts, ins Radio und auch so manches Format spülte, für das Daniel damals den jugendlichen Softrocker spielen musste. Vielleicht war er damals auch genau das: Der vorzeigbare Frontmann einer modernen, jungen Rockband mit gefälligen Rocknummern, die nicht zu viel Tiefgang hatten, aber an den richtigen Stellen zündeten. Hart genug, um im TV den Vorabendschreck zu geben, zahm genug, dort dann doch niemandem weh zu tun. Der Branchenriese BMG hatte die fünf Jungs aus dem Ruhrgebiet auf die Welle geschickt, die Nickelback später zu Multimillionären gemacht hatte. Grooviger Radiorock und dazu ganz groß denken. Videodreh in L.A., die teuren Hotels und die fetten Studios. Zwei Alben lang war das ein wilder Ritt. Aber es war vielleicht einfach nicht die richtige Zeit zum Durchstarten. Die Clubs wurden nach 4 Jahren kleiner, statt größer und so schnell der Deal mit der BMG kam, so schnell war er auch wieder weg. Man war eine Hitsingle entfernt von der Weltherrschaft. Aber wenn die nicht kommt, wird die Welt immer hässlicher und kleiner, so lange, bis darauf kein Platz mehr für dich ist. Vom Pott sollte man erst Deutschland und dann die USA erobern und schließlich war man wieder in Dortmund gelandet. Sub7even waren Geschichte, das Konzept hatte sich überlebt und der Sänger war darüber irgendwann gar nicht mehr unglücklich. Denn es war schon lange Zeit für was Neues. Deutsch sollte es sein, tief und ehrlich, zwischen Melancholie und Wahnsinn. WIRTZ wollte von dem Leben berichten, das er führte. Ungefiltert in seiner Muttersprache.

Und so kam es zum kleinen, großen Klick, der viele, viele Klicks nach sich ziehen sollte. Denn die drei Lebenszeichen erreichten noch vor dem Debütalbum die magische Millionenmarke. Play für Play Rückenwind und das Signal: Bitte ernst machen jetzt. Das erste WIRTZ-Album – „11 Zeugen“ – war vor allem Selbsttherapie. Wirtz kann auf Deutsch endlich in seine Musik packen, was ihm auf der Seele brennt, im gefälligen Poprock-Korsett der Chartbreaker Sub7even aber erdrückt wurde. Es geht um Liebe (meist enttäuscht), das eigene Sein (meist im Werden) und ganz viel zerbrechliches Selbstvertrauen zwischen Augenzwinkern und Selbstbetrug. Ein Konzept, das im engeren Sinne keines ist, das aber aufgeht.

Das Album landet im April 2008 knapp in den Charts, die erste Duftmarke ist gesetzt. Dass das Album überhaupt das Licht der Welt erblickt, liegt nicht nur an Daniels Willen, sondern auch an einer wichtigen Begegnung: Musikerpartys, man kennt das: Es gibt guten Wein und schlechte Witze, durch den Raum wabern schwadenartig Rauch und vage Ideen. „Was machstn du?“ „Und du?“ „Lass ma‘ was zusammen machen“, „Klar, Digger, ich ruf dich an“. Gut, dass hier – entgegen den Branchengepflogenheiten – der Anruf wirklich zustande kam. Am anderen Ende der Leitung: Matthias Hoffmann, Frankfurter Musiker und Produzent, der schon den Megaseller Laith Al-Deen veredelte. Wirtz hatte Texte, Ideen und Zweifel, Hoffmann die Erfahrung, die Übersicht und das Händchen. Zusammen sind sie seit 2007 WIRTZ – nicht nur musikalisch sondern auch geschäftlich. WIRTZ ist Künstler und Label, das Rundumsorgenvoll-Paket im Sinne der eigenen Kunst. Es sollte alles anders werden, weniger Lametta, dafür mehr Seele. Weniger Vorabend, dafür mehr ehrliche Emotionen.

Auf der Straße funktioniert es genauso gut, wie im Studio. WIRTZ spielt die ganz kleinen Läden vor einem Haufen Enthusiasten: Mal 50, mal 200, immer geil. Seine Leute bescheren dem inzwischen Frankfurter zu seiner ersten richtigen Tour einen livehaftigen Silber-LEA (Live Entertainment Award) als „Bester Clubkünstler“.

Spätestens mit dem Nachfolger „Erdling“ ist dann klar, dass das „Konzept WIRTZ“ aufgeht: Statt Plakate zu kleben, macht WIRTZ durch die Hilfe der Fans die Runde. Das gute, alte „Do it yourself“-Rezept findet Anklang, die Message wird – romantisch aber wahr – von Mund zu Ohr weiter getragen. Platz 44 steht für das Album zu Buche, die Clubs werden größer und voller, die Touren werden länger. Jeder, der einmal kam, kommt immer wieder – und bringt noch einen Freund mit, dem er etwas Gutes tun will. Im Radio wird WIRTZ nicht gespielt, dafür ist er nicht „leicht“ genug. WIRTZ ist kein Hype, kein Phänomen, keine Nische: WIRTZ ist seit Anfang des Jahrzehnts der Beweis, dass Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert und eine aktive Fanbase der beste Multiplikator ist. Wenn man trotz dieses organischen Wachstums irgendetwas einen „Durchbruch“ nennen möchte, dann ist es das 2011er-Album „Akustik Voodoo“. Das Album schießt bis auf Platz 5 der Charts und sollte als mahnendes Beispiel für nachfolgende Musikergenerationen fernab von Castingwahn und Schnelllebigkeit stehen: Beharrlichkeit, der Glaube an sich selbst und vor allem an seine Seele und sein Material führen irgendwann nach oben.

WIRTZ spielt die großen Festivals, „Rock am Ring“ und „Rock im Park“, „Taubertal“, „Deichbrand“, „Open Flair“ und dazwischen für alle, die in irgendwo hören wollen. Und das sind so viele, dass WIRTZ zu einem vielgebuchten Allrounder wird. Einen, den man bedenkenlos nachmittags vor 10.000 Leuten auf die Hauptbühne stellen kann oder der abends deine 2.000-Mann-Veranstaltung headlined.

Aber wer einfach immer weiter macht, wie bisher, ist irgendwann nur noch Dienstleister und vergisst, dass er Künstler mit Leib und Seele ist. Deswegen zieht WIRTZ 2013 buchstäblich einfach mal den Stecker und riskiert was: Ein Abstecher in stromlose Unplugged-Gefilde. Und wieder geht der Plan auf. Das Album erreicht die Top 20 der Charts und WIRTZ ist mit Band, Klavier und Streicherbegleitung einen ganzen Sommer lang in ausverkauften Locations unterwegs.

Inzwischen ist WIRTZ einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Musiker dieser Tage und wenn es in diesem Tempo weiter geht, werden 2015 auf der Leiter ins nächste Stockwerk gleich mehrere Sprossen übersprungen. Denn das kommende wird ein WIRTZ-Jahr:

Das musikalische Selfmade-Unternehmen WIRTZ will weiter spielen, weiter klettern. Mit neuem Album, der größten Tour seines Sololebens und einem spannenden Faktor X, der WIRTZ schon seit diesem einen Mausklick begleitet, der die spannende Reise damals in Gang gesetzt hat.

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Past shows:

20.08.2016 - WIRTZ @ Linz (A)
20.08.2016 - WIRTZ @ Linz (A)